Wie entstehen Geschenkökonomien und hives?

Das Web – nicht erst 2.0 – hat mit seinen Möglichkeiten kostengünstig bis gratis zu publizieren zu einer Explosion der sichtbaren Kreativität geführt. War es früher mühsam seine Musik, Texte, Ideen oder ähnliches zu verbreiten ist heute der nächste blog – zB hier auf wordpress – nur eine Anmeldung entfernt. Jeder kann, jeder darf und jeder soll sagen was er zu sagen hat, publizieren was er zu publizieren hat. Das ist gut so.

Die Schmerzen kommen später: Gut besiedelte Nischen, deren Urbarmachung vermutlich einiges Geld gekostet hat brechen plötzlich in sich zusammen. Ein Beispiel dafür sind relativ junge (ca. 10 Jahre) Angebote, die Serviceunterlagen für Elektrogeräte entweder Print-on-Demand oder digital gegen geringes Entgelt (10-20 EUR/USD) zur Verfügung stellen. Ambitionierte Amateure (vinylengine, wegavision) haben als kooperatives Team einen Teil der Bibliothek etablierter Dienstleister wie Schaltungsdienst Lange oder stereomanuals obsolet gemacht. Zum Glück ist dieses Geschäft de facto frei von den sonst üblichen Urheberrechtsfragen – die Hersteller der kopierten bzw gescannten Unterlagen sind entweder lange vom Markt verschwunden oder selbst gar nicht mehr interessiert ihre Jahrzehnte alten Geräte zu unterstützen (Ausnahmen wie Yamaha bestätigen die Regel).

Wie funktioniert das? Dargestellt als „Hive-Mind“ in Analogie zum Bienenstock:
1) eine „Königin“ (der/die maintainer/in) hat die kreative Idee und einen Grundstock an Material und startet damit den Bienenstock – idealerweise auf einem kostenlosen „Grundstück/Serverplatz“,
2) „Drohnen“ (freeloader/innen) kommen angeflogen und nutzen das Angebot,
3) einige Drohnen werden zu „Arbeiter/innen“ und bringen weiteres Material in den Bienenstock,
4) der Bienenstock wächst, zieht weitere Drohnen und Arbeiter/innen an, das Angebot vergrößert sich, die Relevanz wächst,
5) die Königin bekommt mit der Erhaltung richtig Arbeit, eventuell muss Bandbreite oder neuer Serverplatz gekauft werden.

Ein klassisch erfolgreiches open-source Projekt.
Wichtige konstruktive Teilnehmer:
A) die/der Kreative / die Königin des hives
B) Mitspieler/innen / die Arbeitsbienen des hives

Die Motivation:
Jede/r Einzelne hat großen Nutzen aus dem Projekt – es gibt schwer aufzutreibende und eventuell teure Unterlagen gratis. Nutzer/innen, die selbst Unterlagen besitzen tragen ihre Schulden am hive dadurch ab, dass sie ihre Unterlagen selbst zur Verfügung stellen.

Rahmenbedingungen:
Glaubwürdigkeit spielt im Zusammenhang mit gescannten Unterlagen keine Rolle; das Vertrauen gilt nicht gegenüber dem, der die Unterlagen zur Verfügung stellt, sondern dem Ersteller der Unterlagen. Besser als der Hersteller kann keiner die Geräte beschreiben. Die Originalität der gescannten Unterlagen ist jederzeit überprüfbar.

Schmerzen:
Billiger als gratis geht es nicht! Die Unterlagen, die es auf diese Art zum Download gibt, sind als Ware wertlos geworden.

2 Antworten to “Wie entstehen Geschenkökonomien und hives?”

  1. Auch Geschenke erwarten Gegenleistung … « publishing im web 2.0 Says:

    […] in einigen posts in diesem blog schon beschrieben (hier, hier und hier) sind auch Geschenke in sozialen Netzwerken nicht erst seit dem web 2.0 nicht gratis. […]

  2. die Privatisierung der Erträge aus web 2.0 schreitet voran « publishing im web 2.0 Says:

    […] ist in Ordnung, aber die Einbindung einzelner Individuen des Hivemind als Werbebotschafter finde ich als digitaler Immigrant ein wenig schräg, oder besser politically […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: