Die (elektronische) piñata

Die (elektronische) piñata ist ein sehr schönes Bild von Paul Saffo. In seinem Essai The Electronic Piñata (Oktober 1992), http://www.saffo.com/essays/epinata.php beschreibt er das Verhalten von Wissensansammlungen konkret auf damalige Verlage bezogen.

Der Kerninhalt ist, dass unser Wissen im wesentlichen funktioniert wie eine Kugel aus Papiermaché. An der Oberfläche lesen wir, der Gesamtinhalt befindet sich jedoch im Inneren der Kugel.

Der Inhalt der Kugel – unser Gesamtwissen – wächst allerdings schneller als die Oberfläche mitwachsen kann. Das Ergebnis ist, dass auf weniger oft benötigte Teile des Inhaltes nicht mehr zugegriffen werden kann, weil sie auf der Oberfläche keinen Platz mehr finden und ihr Ablageplatz im Volumen in Vergessenheit gerät.

Elektronische Datenspeicher mit der Möglichkeit Inhalte über hyperlinks zu vernetzen sind quasi die Patentlösung für dieses Problem. Durch die Vernetzung der Inhalte gehen auch weniger oft benutzte Inhalte nicht verloren; die Inhalte sind jederzeit über ihre Verlinkungen mit Inhalten an der Oberfläche zugreifbar.

Paul Saffo leitet 1992 aus der besseren Auffindbarkeit von Inhalten in elektronischen, vernetzten Ablagen das bevorstehende Ende des Papiers ab und sagt dieses Ende für 2022 vorher. Wir sind Paul Saffo in den vergangenen 18 Jahren ein großes Stück des von ihm vorgezeichneten Weges gefolgt. Das Internet und der hypertext haben den Inhalt der elektronischen piñata sehr gut zugänglich gemacht, die sichtbare Oberfläche damit quasi fraktalisiert. Die Oberfläche ist dank hyperlinks heute de facto genausogroß wie das Volumen der piñata. Inhaltsanbieter haben ihre Texte und Media Assets aus Karteikästen in Datenbanken übersiedelt.

Nur der Mensch ist von vernetzten mehrdimensional aufbereiteten Inhalten immer noch überfordert. Menschen lesen immer noch gerne in flachen, linear sequentiell aufbereiteten Texten; seien diese Bücher analog auf Papier oder digital in e-books. Wenn es gar nicht anders geht, drucken wir uns das Internet einfach aus. Wenn wir bis 2022 wirklich ganz ohne Papier auskommen wollen, müssen wir einerseits unsere Erwartungen verändern, andererseits die usability von digitalen Darreichungsformen drastisch verbessern.

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