Auch Geschenke erwarten Gegenleistung …

… auch im web 2.0 gibt es nix gratis, auch wenn die Abgeltung nicht Zug um Zug erfolgt!

Wie in einigen posts in diesem blog schon beschrieben (hier, hier und hier) sind auch Geschenke in sozialen Netzwerken nicht erst seit dem web 2.0 nicht gratis. Auch wenn wir keinen Preis für Nachbarschaftshilfe nennen, erwarten wir doch auch schon vor dem web 2.0 Dank für die Hilfe beim Computerkauf, die juristische Auskunft, das Abholen der Kinden von der Schule und ähnliches mehr.

Letztlich treten wir im Bedarfsfall in Vorleistung. So habe ich zum Beispiel mal eine Diplomarbeit druckfertig gemacht und dafür ein Paar selbstgestrickte Socken bekommen. Ich kann keine Socken stricken und meine Bekannte konnte ihre Unterlagen nicht druckreif machen. Der Nutzen für den Einzelnen war größer als sein Aufwand. Unsere Geschenke brachten uns subjektiv mehr Freude als wir an Aufwand hineingesteckt hatten.

Die Rechnung im Mitmachweb sieht sehr ähnlich aus, nur dass wir nicht mehr direkt von Person zu Person Geschenke machen, sondern eher im Kreis handeln ohne direkte Gegenleistung. Jeder bringt ein was ihm leicht fällt und bekommt dafür das was Anderen flüssig von der Hand geht. Beispiel dafür sind open source Software, Foren zu allen möglichen Themen, facebook und viele andere Interaktionsmodelle.

Aber auch hier funktioniert die Geschenkökonomie nur so lange wie jeder einzelne mehr aus dem System herausbekommt als er hineinschenkt. Die Abgeltung kann für den Einzelnen direkt unzugängliche Information sein, aber auch Reputation, Expertenrang, Anerkennung unter peers oder einfach Lebenshilfe allgemein.

Der asymmetrische Tausch der Geschenke und die Tatsache, dass elektronische Geschenke mehreren Beschenkten zugute kommen können haben die Kapitalisierung virtueller Geschenkökonomien drastisch erhöht. Das führt dazu, dass mehr Trittbrettfahrer (Schnorrer oder leecher) im Gegensatz zum realen Leben nicht gleich zum Zusammenbruch virtueller Geschenkökonomien führen. Dennoch bleibt die Gefahr bestehen, dass auch virtuelle Schenker irgendwann durch den Mangel an für sie interessanter Gegenleistung aufhören zu den Inhalten beizutragen und aus der Geschenkökonomie frustriert aussteigen.

Deswegen ist es wichtig vor dem Einsatz von Geschenkökonomien als Kundenbindungsinstrument oder PR-Werkzeug über Abgeltungsmodelle für die Beteiligten nachzudenken. Kunden, die von den von uns verantworteten community sites und den dortigen Geschenkökonomien  enttäuscht sind, werden diese Enttäuschung auf unsere Produkte und damit unser Unternehmen übertragen …

2 Antworten to “Auch Geschenke erwarten Gegenleistung …”

  1. neues Wort: Aufmerksamkeits-Ökonomie (attention-economy) « publishing im web 2.0 Says:

    […] ist eine der neuen Währungen in der Geschenkökonomie des Internet. Folgst Du mir, folge ich hoffentlich bald auch Dir. Ein direktes Messinstrument für Ansehen in […]

  2. web 2.0 unschön … « publishing im web 2.0 Says:

    […] Geschenkökonomien, in denen adäquate Gegenleistungen ausbleiben erzeugen frustrierte Schenker, im schlimmsten Fall […]


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