Paranoia zum Nachlesen …

derstandard.at: Unterzeichnung des Anti-Piraterie-Abkommens ACTA beschlossen

http://derstandard.at/1326503606535/Regierung-Unterzeichnung-des-Anti-Piraterie-Abkommens-ACTA-beschlossen

vermuteter Originaltext da: http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2011/may/tradoc_147937.pdf

Wirklich interessante Passage Section5, Article 27:
„Each Party shall ensure that enforcement procedures, to the extent set forth in Sections 2 (Civil Enforcement) and 4 (Criminal Enforcement), are available under its law so as to permit effective action against an act of infringement of intellectual property rights which takes place in the digital environment, including expeditious remedies to prevent infringement and remedies which constitute a deterrent to further infringements.“ und folgende

Sieht wirklich so aus, als stünde die breit angelegte Kriminalisierung der ProSumer vor den Toren. Kann „spassig“ werden. Hier sind definitiv nicht ausschließlich die im Visier, die mit fremder intellectual property unredlich eigenes Geld verdienen!

Ich freue mich schon auf die ersten Revanche-Musterprozesse Hobbyfotografen gegen Webseitenbetreiber. Inklusive einstweiliger Verfügung und Beschlagnahme von Server- und Datenbank-Infrastruktur:
„Each Party shall provide that its judicial authorities have the authority to adopt provisional measures inaudita altera parte where appropriate, in particular where any delay is likely to cause irreparable harm to the right holder, or where there is a demonstrable risk of evidence being destroyed.“ (Article 12, Ziffer 2)

Öffentliche Serverinfrastruktur zu betreiben wird demnächst unversicherbar werden, mal sehen was da an nationalstaatlicher Gesetzgebung nachkommt …

web 2.0 unschön …

… oder Inhaltsproduzenten gegen Konzentratoren – Runde 1:

Jaron Lanier spricht in seinem Buch „You are not a Gadget“ von der kalten Enteignung der digitalen Intelligentsia durch Inhaltskonzentratoren und Suchmaschinen. Jetzt ist der erste Rechtsstreit zum Thema anhängig.

Beklagte ist interessanterweise die Huffington Post – eines der Wunderkinder des Web 2.0 – gut beleumundet, politically correct, anerkannt in der community. Der Gründer hat es gewagt, sein Baby, das moralisch genauso seinen Bloggern wie ihm zu gehören schien gegen harte Währung und einen Sitz im Management an AOL zu verscherbeln.

Damit ist der Spaß für alle vorbei und die Blogger verlangen ihren Anteil am Kuchen. Moralisch sicher gerechtfertigt, durch die AGB bestimmt ausgeschlossen, vor Gericht interessant.

Fazit: Geschenkökonomien, in denen adäquate Gegenleistungen ausbleiben erzeugen frustrierte Schenker, im schlimmsten Fall Rachegelüste. Das unterstellte Ziel des Klägers ist wohl auch nicht sein Anteil am Kapitalwert der Huffington Post, sondern die Zerstörung ihres Rufs und damit die Vernichtung ihres Marktwerts. Wer Geschenkökonomien noch nicht wirklich verstanden hat, der sollte wohl dringend mal hier, hier und bei Marcel Mauss’ „die Gabe“ beginnen nachzulesen! Eine erweiterte Literaturliste findet sich hier in meinem Blog.

schlecht gewartete Hyperdistribution verärgert Zielgruppen

Wer aus einem zentralen Content Management System über content syndication mehrere Kanäle bedient – so wie ich hier im Mikroformat facebook und twitter aus diesem blog – darf nicht vergessen jeden einzelnen Ausgabekanal einzeln zu warten. Ganz im Gegenteil zu meiner Erwartung, dass die Kanäle nur dazu dienen die Leser zur Quelle der Information zu führen, entwickeln die Informationen in den Ausgabekanälen ein Eigenleben.

Die Leser kommentieren dann nicht die Ursprungsbeiträge, sondern die nur als Teaser gedachten tweets oder facebook-Meldungen. Was passiert, wenn dies Kommentare ihrerseits nicht gewartet werden oder Beiträge von Lesern nicht adäquat wertgeschätzt werden ist hier nachzulesen: http://www.avatter.de/wordpress/2010/11/news-geblase-twitter-diesen-medien-sind-ihre-follower-vollig-egal/

Die NÖN und das Copyright …

Dieser Tage ist ein Foto, das ich gemacht hatte in der NÖN aufgetaucht. Natürlich ohne Fotocredit. Weil ich ein bösartiger Mensch bin, habe ich eine email an den Chefredakteur geschickt mit der Bitte um Stellungnahme. Es kam bis heute (zehn Tage) keine – nicht einmal eine Empfangsbestätigung.

Viel interessanter ist, dass das Foto in einer nicht öffentlichen Veranstaltung gemacht wurde und einige der abgebildeten Minderjährigen deutlich zu erkennen sind – unsere eigenen Familienmitglieder glücklicherweise nicht!

Angesichts der Tatsache, dass dieser spezielle Teil der NÖN voll von solchen und ähnlichen Fotos von nicht öffentlichen Veranstaltungen – sämtlich ohne Fotocredits – ist, bin ich ein wenig erstaunt über den Umgang eines doch großen Medienunternehmens mit dem Medienrecht und dem Recht am Bild der Privatperson.

Aber wahrscheinlich gehen sie halt davon aus, dass schon keiner klagen wird, weil das Prozessrisiko zu hoch ist und drei Instanzen vermutlich auch zu lange dauern – sehr professionell!

Veröffentlicht in Basics, Deutsch, Miscellaneous. Schlagwörter: , . Leave a Comment »

verpasste Gelegenheiten

Warum hat die Kinderkrebshilfe keinen facebook Auftritt?? Im Windschatten der sehr begrüßenswerten Aktion von Billa hätte sie mit vernünftiger Verlinkung einen Großteil der Fans der Billa Aktion auch zu eigenen Fans machen können.

Schade eigentlich – und ein Input fürs nächste Mal!

Die überforderte Lokalisierung …

… hat ihre persönliche Schaltfläche oder original Button bekommen:

Schaltfläche "Entfolgen" auf twitter.com

Also falls sich jemand gefragt haben sollte wie sich „unfollow“ übersetzen ließe, hier wäre ein „intelligent guess“. Aber natürlich keine wirkliche Lösung.

Wer jemals in der Schule Latein hatte wird sich gerne mit mir an das Vokabel „dissegregare“ erinnern – wörtlich übersetzt: „entauseinanderversammeln“ oder noch wörtlicher: „entauseinanderverherden“. Soetwas lässt sich bestenfalls nachdichten, aber niemals übersetzen ohne nachsichtiges Grinsen im Gesicht. Quasi Vokabeln mit Geschichte …

;-))

%d Bloggern gefällt das: