Brauchen wir SEO und SEM?

Wenn Kunden aus kleinen spezifischen Zielgruppen nicht über google suchen, sondern über spezialisierte Suchmaschinen, weil auf google ihre relevanten Treffer in der Entropie verloren gehen, macht es dann Sinn, solche Angebote über Suchmaschinenoptimierung oder Suchmaschinenmarketing zu bewerben?

Meine Antwort dazu: NEIN!

Wenn die Zielgruppe nicht auf google nach meinen Inhalten sucht, kann ich es mir ersparen diese Inhalte Suchmaschinen- und nicht Zielgruppen- gerecht aufzubereiten. Besser ist es ich verstümmele meine Texte nicht, nur damit sie von google besser verstanden werden.

Suchmaschinen Marketing vulgo google Adwords kann ich mir im selben Atemzug sparen!

Wichtig und einzig zielführend ist es meine Marke, meine Inhalte, meine zielgruppenspezifische Suchmaschine direkt in der Kommunikation mit meiner Zielgruppe als zeiteffiziente und vor allem glaubhafte Anlaufstelle zu etablieren. Früher mal hätte man das über klassisches Marketing erledigt, heute bieten sich dazu – viel eleganter und effizienter – gut gepflegte communities und dort nachhaltige Nachwuchsarbeit an.

Menschen wollen finden nicht suchen …

  • Taxonomien sind noch nicht so weit
  • Metadaten vergeben ist mühsam

Wie werden wir dann die Inhalte, die wir morgen suchen auch finden? Niemand von uns sucht gerne; wir wollen alle auf kürzestem Weg finden. Genauso geht es unseren Kunden.

Erste Frage:

  • Wo suchen unsere Kunden?

Zweite Frage:

  • Mit welchen Suchbegriffen suchen sie welche Resultate?

Dritte Frage:

  • Werden sie das wonach sie suchen dort wo sie es suchen auch finden?

Eine einfache „no-na“ Feststellung:
Je spezifischer die Fragestellungen unserer Kunden werden, desto weniger ist ihnen geholfen mit allgemeinen Suchmaschinen wie google, die das gesamte Internet nach Antworten durchforsten.

Die möglicherweise relevanten Resultate gehen in der allgemeinen Entropie unter. Je spezifischer die Themen werden, desto spezifischer müssen die Suchmaschinen und die durchsuchten Ausschnitte der Wirklichkeit werden. Pat Cadigan nennt das in einem Sci-Fi Roman aus den 1990ern „Infoporn“.

Infoporn ist eine mögliche Zukunft für Informationsdienstleister. Hochspezialisierte Infochannels und Suchmaschinen zu thematisch effizient eingeschränkten Themengebieten. Maßgeschneiderte Information für zahlende Kunden. Ähnlich kostspielig wie maßgeschneiderte Kleidung aber in der Alternativkostenrechnung trotzdem preiswürdig.

Dafür müssen dann aber auch die Inhalte, die Metadaten und die Treffer 100% zielgruppenadäquat sitzen …

Information benötigt Metadaten

Taxonomien sind (noch) keine Lösung zur syntaktischen Erschließung großer elektronischer Inhaltsmengen. Wir müssen also unsere Spielsteine  zur besseren Sortierbarkeit mit Etiketten versehen. Damit wird eine effiziente Zuordnung zu einzelnen Kategorien erst überhaupt möglich!

Speziell kleinere Elemente, die auf den ersten Blick nicht als bestimmten Themenbereichen zugehörig erscheinen profitieren von diesen Etkettierungen. Diese Etiketten bzw Metadaten machen eine schnelle Zuordnung von Inhalten zu Themenbereichen auf zweierlei Wegen möglich

  • einerseits entfällt die Prüfung der Inhalte bzw Gestalterkennung des einzelnen Inhaltsteils
  • zweiterseits ist es gar nicht mehr nötig in den Inhalten selbst zu suchen, es reicht die Suche in den Etiketten/Metadaten

Vor allem der zweite Punkt beschleunigt die Suche enorm, weil der zu durchsuchende Inhalt – je nach Größe der einzelnen Einheiten – um den Faktor 10 bis 1000 verringert werden kann. Ein nicht zu unterschätzender Geschwindigkeitsvorteil in der elektronischen Datenverarbeitung.

Information benötigt Taxonomie

Ausgehend von der Analogie mit dem Spielzeug meiner Kinder stellen sie sich folgendes Szenario vor:

Die Entropie hat großes LEGO®, kleines LEGO®, Playmobil® und Barbie® Spielzeug über Kinderzimmer und Wohnzimmer verteilt. Wir – böse Eltern – knechten unsere Kinder, dass sie zusammenräumen müssen.

Die Kinder sortieren nach Regeln der Gestalterkennung bzw einer kleinen Taxonomie die Einzelteile in die einzelnen Spielzeugkisten ein. Wenn geht, sortieren sie selbst mit und beschreiben sie im Anschluss die Regeln, die Assoziationsketten und die daraus entstehende Taxonomie.

Wenn das jetzt einfach war, sortieren sie nächstes Mal genau nach diesen Regeln das Spielzeug – es wird nicht funktionieren. Taxonomien sind nämlich nicht so simpel wie sie erscheinen.

Um mit Suchmaschinen Texte entlang von Taxonomien einordnen und durchsuchen zu können sind solche Taxonomien zu wesentlich komplexeren Themen als Spielzeug nötig, aber nur teilweise erstellt. Es wird also noch eine Weile dauern, bis alle Information im web taxonomisch und syntaktisch durchsuchbar wird …

Information ist Entropie

Je mehr Information wir in die Welt setzen, desto unübersichtlicher und unüberschaubarer wird ihre Ausdehnung in der (virtuellen) Welt und damit ihre Auffindbarkeit in dieser Welt. Die Information ist da, aber unauffindbar in der sich ausdehnenden noosphere des Eric S. Raymond.

Wir können diese Entropie komprimieren, aber sie wird sich dabei nicht wieder zu ihrer Ausgangsordnung zurückorganisieren. Informationen, die sich unzusammenhängend über den Raum verteilt haben, finden nicht wieder zusammen. Genauso wie Spielzeug, das unsere Kinder in der Wohnung verteilen nicht wieder von selbst in die richtigen Spielzeugkisten zurückfindet.

Am Ende des Mittelalters, als Information noch überschaubar und beschaulich auf wenige Klosterbibliotheken konzentriert war, war das vermutlich kein Problem. 2010 im Zeitalter des überbordenden Informationsangebotes im Internet und der überquellenden Tiefspeicher der National- und Landesbibliotheken schon eher …

Information will frei sein

Seit es Zivilisation gibt, sperrt der Mensch Information ein

  • weil uns mehr Wissen einen Vorsprung vor Anderen bietet
  • weil dummes Volk besser für Priesterkasten arbeitet
  • weil die Samurai den Kampf nur mit dem Schwert, nicht mit der Muskete austragen wollten
  • und aus vielen anderen Gründen …

Seit ebenso langer Zeit versucht die Information aus den menschengemachten Gefängnissen auszubrechen. Angefangen beim Werkzeuggebrauch bis zur Atombombe hat es nie länger als ein paar Jahre bis Generationen gedauert bis die Information ihren Weg nach draußen gefunden hatte. Am Anfang noch Gold wert waren neue Technologien schnell zur commodity geworden.

Der Buchdruck hat die von Hand kopierenden Mönche abgelöst, Rotationsmaschinen, Offset-technologie die Stückzahlen und die Taktung beschleunigt. Die Desktop Revolution Apple/Postscript die Produktion seit den 1990ern deutlich demokratisiert.

Heute blicken wir auf den vorerst letzten Schritt der Öffnung der Büchse der Pandora zurück – die Demokratisierung der Distribution. Wo es früher Verleger mit erwachsenem Vertriebs Know-How benötigte reicht heute die Anmeldung zu einem blog wie diesem.

Die Information ist frei – obwohl ich davon ausgehe, dass auch der heutige Grad von Freiheit der Information noch steigerbar ist, zum Beispiel durch gute semantische Suchmaschinen!

    derstandard jetzt auch als iApp

    voilà:

    http://derstandard.at/1271378171637/Neu-iStandard–die-iPhone-App-von-derStandardat

    viel cooler als der Kurier, auch gratis, aber mit Werbung!

    :-))

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